28. November 2008

Donaldismus

Der einzig wahre Stadtplan von Entenhausen.

Heute standen in der ZEIT zwei lesenswerte Artikel über den sogenannten « Donaldismus ». Was das ist? Donaldismus? Wenn jemand 13 Jahre lang sich mit Donald Duck beschäftigt hat, dann ist das Donaldismus. Aber wer tut so etwas? Wer beschäftigt sich 13 Jahre lang mit Donald Duck? Und mit welchem Ziel?

Die Antwort: 13 Jahre lang « dem Erpel auf der Spur » (so hieß der eine Artikel der ZEIT) war Jürgen Wollina. Was hat dieser Jürgen Wollina jetzt 13 Jahre lang gemacht? Er hat den einzig wahren Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen gezeichnet. Wie hat er das gemacht? Ganz einfach: Er hat die etwa 700 Donald- Geschichten, das heißt 6500 Comic- Seiten analysiert. Auf jeder einzelnen dieser Comic- Seiten sind im Durchschnitt etwa 8 Bilder. Das macht dann zusammen also 52000 Bilder. Eine beachtliche Leistung.

Verzeichnet sind alle bekannten Wohnsitze von Donald Duck, Daisy Duck und Gustav Gans, alle Geldspeicher von Onkel Dagobert, alle Laboratorien von Daniel Düsentrieb, alle Brücken sowie alle bekannten Straßennamen. Natürlich fehlen auch berühmte Denkmäler, Bahnhöfe, Postämter, Leuchttürme, Kirchen und Tankstellen nicht.

20. November 2008

Drama und Katastrophe – Sprachirrtümer

Wir lesen in Deutsch gerade “Maria Stuart” von Fr. Schiller, naja, gut, okay, wir sind gerade im Begriff damit anzufangen. Und bevor wir mit dem ersten Akt, oder auch dem ersten Aufzug angefangen haben, haben wir ein wenig diskutiert. In der alten Reclam- Ausgabe des Textes, die unser Lehrer hat, und auch in anderen Ausgaben steht nämlich am Anfang: Trauerspiel in fünf Aufzügen. In der neueren Reclam- Ausgabe steht einfach nur: Ein Trauerspiel. Jetzt kam natürlich die Frage auf: Wie kommt der Reclam- Verlag dazu, einfach nur ein Trauerspiel dahinzuschreiben? Unser Lehrer hat uns das folgendermaßen erklärt: Ein Trauerspiel ist ein Drama. Der Begriff “Drama” meint einfach nur ein Theaterstück. Es kann aber auch ein dramatisches Theaterstück sein, also ein trauriges. Und ein Drama hat immer fünf Akte. Darum konnte es sich also der Reclam- Verlag erlauben, einfach nur Ein Trauerspiel hinzuschreiben.

Dann hat der Lehrer ein Beispiel angebracht:

Stellt euch vor, in der Zeitung steht eine kurze Meldung: Ein Drama passiert irgendwo. Ein Mann wurde von einem Auto überfahren. Hmm, wurde dieser Mann dann in fünf Akten überfahren? So nach Motto:

  • Erster Akt: Auto kommt herangefahren.
  • Zweiter Akt: Mann geht auf die Straße.
  • Dritter Akt: Auto überfährt Mann.
  • Vierter Akt: Auto hat Mann überfahren.
  • Fünfter Akt: Auto fährt weiter.

Hier liegt offenbar ein falscher Gebrauch des Wortes “Drama” vor. Und das jeden Tag. Jeden Tag passiert, wenn man den Zeitungen glauben darf, irgendwo auf der Welt ein Drama in fünf Akten.

Ebenso verhält es sich mit dem Wort Katastrophe. Das kommt aus dem Griechischen (wie so vieles im Leben – wenn irgendetwas aus irgendeiner Sprache hergeleitet werden kann, dann ist es entweder Griechisch oder Lateinisch) und bedeutet in etwa « herabwenden ». Eine Katastrophe ist also – im Grunde seines Wortes – die Wendung zum Niedergang. Im täglichen Sprachgebrauch meint das Wort Katastrophe jedoch schon das Unglück selbst und nicht die Wendung zum Unglück.

-> Und was ist die Moral von der Geschicht’? Im Deutschunterricht kann man viel lernen …

17. November 2008

wikipedia.de geschlossen

Ein äußerst interessanter Artikel, der heute in der Süddeutschen Zeitung zu finden war, vereint Politik, Computer und Humor miteinander. Wie? Das passt doch alles gar nicht zusammen? Denken Sie. Aus dem Artikel, betitelt « Biographie offline », geht hervor, dass am Wochenende anscheinend der Linken- Abgeordnete Lutz Heilmann die Seite wikipedia.de abschalten ließ. Grund: « Seine Abgeordneten- Biographie weist den 42- Jährigen als Rechtsreferendar am Lübecker Landgericht aus. » Das Lübecker Landgericht war auch das Gericht, welches über die Sperrung der Adresse wikipedia.de verfügt hat. Weiter heißt es:

Vor seiner juristischen und politischen Karriere, genauer gesagt von 1985 bis Januar 1990, arbeitete er in der Abteilung Personenschutz des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Die Tätigkeit bei der Stasi war unter anderem Gegenstand des Eintrags “Lutz Heilmann” in der Online- Enzyklopädie. Anstoß nahm der Politiker aber auch an der Behauptung, er habe in Lübeck angeblich einen Online- Sexshop betrieben.Süddeutsche Zeitung vom 17. Nov. 2008

Durch die “falschen, ehrabschneidenden und deshalb meine Persönlichkeitsrechte verletzenden Inhalt” fühlte sich Heilmann gezwungen, einen Anwalt einzuschalten und durch diesen die Adresse wikipedia.de zu schließen. Völlig idiotisch zwar, weil die Inhalte ja weiterhin auf de.wikipedia.org abrufbar sind, aber egal … Als ob wikipedia.de abzuschalten nicht schon genug wäre, hat Heilmann dann auch noch drei Strafanträge gegen Online- Autoren gestellt.

Thorsten Feldmann, Anwalt von Wikimedia, des Vereins, der die Seite betreibt, räumt ein, dass die umstrittenen Aussagen über Heilmann, sofern wahr, schädlich für dessen politische Karriere sein könnten. Trotzdem sei die Reaktion unverhältnismäßig. “Man kann nicht dafür sorgen, dass deshalb die deutsche Startseite dichtgemacht wird.”Süddeutsche Zeitung vom 17. Nov. 2008

Auch Fraktionssprecher Hendrik Thalheim, und nicht nur der, findet, Heilmann habe « mit Kanonen auf Spatzen geschossen ». Dabei scheint Heilmann selbst die Sperrung schon unangenehm zu sein. Er hat angekündigt, keine weiteren juristischen Schritte zu unternehmen. Die Weiterleitung von Wikipedia.de auf die Enzyklopädie könne ab sofort wieder geschaltet werden.

Wie ich heute feststellte, geht die Startseite schon wieder. Das gewohnte Bild mit der Suchmaske erwartet einen schon und wartet sehnsüchtig darauf, mit Inhalt gefüttert zu werden, um die Anfrage, oder auch das Request, as we say in England, zu bearbeiten und die entsprechenden Daten anzuzeigen.

6. November 2008

So von Markt- und Planwirtschaft

Wir haben in Gemeinschaftskunde – einem Fach, dem ich normalerweise nicht so zugeneigt bin – gerade das Thema Markt- und Planwirtschaft durchgenommen. Was das jetzt genau ist, will ich hier nicht erklären. Ich will vielmehr auf einen Text hinaus, der in unserem GMK- Schulbuch drin stand und den wir gemeinsam gelesen haben. Vielleicht sage ich das gleich vorweg: Der nun folgende Text (mit Anmerkungen von mir) ist aus « Der Trabbi von A bis Z, ein nicht ganz ernst gemeintes Lexikon », nur so damit Sie schon einmal wissen, was da auf Sie zukommt.

Mit zwölf, vierzehn, ja sechzehn Jahren musste gerechnet werden. Kinder wurden währenddessen erwachsen, Eheleute trennten sich, man gebar neues Leben oder fuhr in die Grube, ganze Weltreiche brachen zusammen [...]

Nanu? Was mag da kommen, fragen sich jetzt vielleicht viele. Eine Geschichtsabhandlung? Nein. Der Artikel geht ja über Wirtschaft. Also was ist es dann?

[...] – nur die Trabant- Anmeldung lief immer weiter. [...]

Hätten Sie das gedacht? Dass der Artikel über Trabbis geht? Wahrscheinlich schon, denn der Artikel ist ja aus « Der Trabbi von A bis Z, ein nicht ganz ernst gemeintes Lexikon ».

[...] Auf welchem Rang man im Warte- Marathon gerade lag, ließ sich bestenfalls annäherungsweise feststellen. Über den Schaltern des IFA- Vertriebs hingen große Tafeln mit dem aktuellen “Auslieferungsstand” – eine Einrichtung, die man sich als Kreuzung der Jerusalemer Klagemauer mit der New Yorker Börse am Schwarzen Freitag vorstellen muss. Hier war zu sehen, wie dicht Euphorie und Depression doch beieinander lagen. [...]

Uiuiuiuiuiuiui, diese Einrichtung muss der Horror gewesen sein.

[...] Gelegentlich konnte es passieren, dass die angegebenen Daten unvermittelt einen Sprung nach vorn machten; häufiger jedoch blieben sie so eisern stehen, als habe jemand die Zeit angehalten. [...]

Und dieses Gefühl des Zeit- Anhaltens konnte also bis zu 16 Jahren dauern, wenn man dem Artikel glaubt. Beachtlich. Und alles nur für einen Trabbi, für so einen süßen kleinen Trabbi …

[...] Über einen ganzen Sommer hinweg war es dann Februar, und man fragte sich unwillkürlich, ob da noch alles mit rechten Dingen zuging. Auf der Straße fuhren ja neue Trabanten; das konnte jeder am fortschreitenden Alphabet der Nummernschilder erkennen. Warum also ging es auf der Tafel nicht weiter? [...]

Tja, warum nicht? Warum nicht? Das frage ich mich auch …

[...] Das zermürbende Warten trieb manch gefestigte Persönlichkeit zur Verzweiflungstat: Eingaben an den Staatsrat wurden geschrieben oder ältere Anmeldungen für Tausende Mark aufgekauft, nur um endlich von dem verdammten Februar wegzukommen. [...]

Naja, gut, okay, so kann man das auch machen: Den anderen ihre Abmeldungen für viel Geld abkaufen, nur um endlich sein Auto zu haben. Aber, för jetz ene mal janz eehlich ze sinn: Das wird dann teuer. Und wert war es das nun auch nicht, oder? Aber, wer es so will, der kann es so machen, wie ich immer zu sagen pflege. Gab es denn dann, wenn man schon seine sauer verdienten Moneten mit vollen Händen zum Fenster rausschmeißt, wenigstens irgendetwas positives an der ganzen Sache? Anscheinend ja:

[...] Die positive Seite der Warterei bestand darin, dass sich der Trabant praktisch aus der Sparbüchse finanzieren ließ: Wer jeden Tag zwei Mark beiseite legte, hatte den Preis nach anderthalb Jahrzehnten mühelos beisammen. [...]

Ich hab es ausgerechnet: Das wären für 15 Jahre dann 10950 Euronen DM. Geht eigentlich.

2. November 2008

Another day in Zürich/Schweiz

Von Samstag auf Sonntag war ich mit meiner Schwester und meinen Eltern in Zürich in der Schweiz bei meinem Bruder, der dort an der ETH studiert. Weshalb wir da jetzt genau hingefahren sind – isch weiß it nit. Wegen irgendeinem Bohrerset für meinen Bruder und irgendeiner Revision von einem Cembalo von meinem Vater, das in der Musikhochschule in Zürich steht, glaube ich.

Das Wetter in Zürich jedenfalls war relativ gut – nicht übermäßig viel Sonnenschein, aber auch kein Regen. Aber es war kalt da unten, um die 4° Celsius, nehme ich an. Es lag auch schon einiger Schnee an den Straßenrändern.

Am Samstag haben wir uns aufgeteilt: Papa ist zur Musikhochschule gegangen, das Cembalo zu revidieren, und der Rest, also Mama, Schwester und ich sind ein wenig in der Altstadt rumgelaufen und sind in verschiedene Läden hineinspaziert – zum Beispiel in die größte Buchhandlung Zürichs, Orell Füssli in der Füsslistraße. Dann haben wir auch noch echten originalen Schweizer Käse gekauft, und waren noch in einem ganz schönen Kolonialwarenladen (so heißt das wirklich, das hab ich mir nicht ausgedacht smile ), dem Schwarzbach, wo wir auch noch die ein oder anderen Dinge wie zum Beispiel Feigen gekauft haben.

Später am Tag hat man sich dann mit meinem Bruder getroffen, und wir haben noch eine Wohnung besucht (mein Bruder ist gerade auf Wohnungssuche), die er dann vielleicht als WG nutzen wollte. So gegen 7 Uhr abends dann sind wir noch essen gegangen – in einem Restaurant, das « Crazy Cow » hieß. Danach sind wir schlafen gegangen. Mama, Papa und ich sind dabei in ein Mercure- Hotel gegangen; meine Schwester hat bei meinem Bruder gepennt.

Das Hotel war auch ganz angenehm, Mercure- typisch eben.

Sonntags früh ist die « Hotel- Truppe » dann in das Kunsthaus gegangen. Naja, gut, das stimmt so nicht ganz. Mama und Papa haben die alten Meister und was es noch alles in dem Kunsthaus gab besichtigt, ich habe noch mit den Trams ein bißchen Zürich erkundet. Um halb 2 Uhr haben wir uns vor dem Kunsthaus wiedergetroffen. Wenig später haben wir dann noch meine Schwester bei meinem Bruder aufgegabelt, tja, und dann … dann ging es wieder nach Hause.