Sie sehen sich momentan die Weblog-Einträge zur Kategorie "Politik & Wirtschaft" an.

9. September 2010

Stuttgart 21 — ein Gastbeitrag von Henriette Jung

Die Henriette hatte mich ja neulich in den Kommentaren zu Teil 2 der momentanen Energiepolitik im Weblog gefragt, ob ich mich nicht einmal über Stuttgart 21 auslassen wollte. Als ich dies verneinte, erklärte sie sich kurzerhand bereit, mal wieder einen Gastbeitrag (der vorher im SchülerVZ veröffentlicht wurde) hier im Weblog zu schreiben. Nun denn: Ein Gastbeitrag von Henriette Jung zum Thema "Stuttgart 21", ein "wieder regionales Thema, das uns in seiner Theorie aber alle angeht", wie sie selbst schreibt.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht mit dem Bauvorhaben an sich auseinandersetzen, eine kleine Erklärung für Nicht-Badener, die keinen Bock haben, sich durch 5.730.000 Google-Einträge zu klicken. Vom Wikipedia-Artikel möchte ich abraten, er ist nicht gerade ein Musterbeispiel für Neutralität…

Der Stuttgarter Hauptbahnhof existiert seit dem 19. Jahrhundert als Kopfbahnhof. Diese Form hat sich z.B. in Frankfurt bestens bewährt, und lässt Bauvorhaben direkt in der Nachbarschaft zu, da sich die Schienen nur an einer Seite befinden. Schwer bepackte Reisende können barrierefrei umsteigen. Allerdings kostet der Wechsel der Fahrtrichtung viel Zeit. Aus diesem Grund möchte die Stuttgarter Stadtverwaltung ihren Hbf in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umbauen. Dieses Projekt liegt seit Anfang der 90er in der Schublade, die veranschlagten Kosten erhöhen sich von Jahr zu Jahr, zurzeit stehen sie bei ungefähr 4 Milliarden Euro. Wenn man sich einmal die geografische Lage des Bahnhofs ansieht, dann sieht man, dass sich der Bahnhof mitten in der Stadt befindet. Wo sollen dann die Schienen verlegt werden?

In der öffentlichen Verlautbarung der Baupläne (pdf) werden zwar die erhofften Vorteile angepriesen, aber Einblicke in das neue Schienennetz erhält niemand.

Kein großes Bauvorhaben ohne Meinung des mündigen Volkes - sofern man diese denn zulässt…

Als das Projekt erstmals ins Gespräch kam, erhielt es von Seiten der Bürger noch große Zustimmung. Damals war aber auch nur eine halb so große Summe veranschlagt. Außerdem ist das jetzt 20 Jahre her, eine neue Generation mündiger Bürger ist herangewachsen, die schon über GoogleEarth herausfinden können, dass 4 Milliarden nicht ausreichen werden, um eine 2,7-Millionen-Stadt sprichwörtlich zu untergraben…

Am 14. November 2007 wurden im Rathaus 67.000 Unterschriften gegen das Projekt übergeben, 61.193 erwiesen sich als gültig; notwendig waren 20.000. Der Antrag auf Zulassung eines Bürgerentscheids über den “Ausstieg der Landeshauptstadt aus dem Projekt Stuttgart 21” wurde am 20. Dezember 2007 vom Stuttgarter Gemeinderat mit 45 zu 15 Stimmen abgelehnt, mit der Begründung, dass er rechtlich unzulässig sei; der Bürgerentscheid richte sich gegen Grundsatzbeschlüsse des Gemeinderats aus den Jahren 1995 (Rahmenvereinbarung) und 2001 (Ergänzungsvereinbarung) und sei entsprechend der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg, die eine Antragsfrist von sechs Wochen nach Veröffentlichung der Gemeinderatsbeschlüsse vorsehe, verfristet; außerdem verfolge der Bürgerentscheid das gesetzeswidrige Ziel der Aufhebung der bereits vor Beantragung des Bürgerentscheids wirksam abgeschlossen Ergänzungsvereinbarung; zudem sei das Ziel der Aufhebung unzulässig, weil es eine dem Gemeinderat vorbehaltene finanzielle Grundsatzentscheidung betreffe. (Presseerklärung des Regierungspräsidiums Stuttgart)
Versucht erst gar nicht, diese Begründungen nachzuvollziehen…

Laut aktuellen Umfragen des Forsa-Instituts lehnen 67% der Bürger das Projekt ab. Laufend finden neue Demonstrationen statt, an der letztes beteiligten sich 8000 Menschen. Interessiert das irgendjemanden aus der Stadtverwaltung? Nein! Man setzt sich elegant über die Ablehnung der Bürger hinweg, die wüssten ja gar nicht, wie das neue Schienennetz aussehen wird. Hmm… Warum wohl?

Anlässlich der geringen Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl im letzten Jahr beklagte man sich allenthalben über die “Politikverdrossenheit” in Deutschland. Das Projekt Stuttgart 21 bzw. seine Umsetzung ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie ebendiese entsteht.

In einer Demokratie führen gewählte Vertreter den Willen des Volkes aus. In Stuttgart wird die Bevölkerung bevormundet wie ein minderjähriges Kind. Die Bürger werden sich ihrer Ohnmacht bewusst, die Bauarbeiten sind nicht aufzuhalten, obwohl zwei Drittel der Bevölkerung dagegen sind, obwohl inzwischen schon Demonstranten unter Lebensgefahr auf den Dächern der abzureißenden Gebäude Sitzblockaden abhalten.

Irgendwann werden die Bagger anrücken und die letzten Aktivisten werden das Feld räumen. Irgendwann wird man feststellen, dass 4 Milliarden nicht ausreichen, um das Schienennetz einer Großstadt zu verlegen. Irgendwann wird es sich rächen, dass man den gesamten Regionalverkehr für Jahre lahmgelegt hat. Irgendwann werden die Steuerzahler vor einem riesigen Schuldenberg stehen.

Doch dann ist es zu spät.

7. September 2010

Merkel eingeknickt, Atomkonzerne jubeln — Die momentane Energiepolitik, Teil 3

Man glaubt es kaum: Merkel ist eingeknickt, die längeren Laufzeiten der AKWs sind so gut wie beschlossene Sache. Die Atomkonzerne jubeln. Verständlich, denn nach neuesten Berechnungen müssen sie nur bis zu 28% der zusätzlichen Gewinne an den Staat abführen; dabei hatte die Koalition noch bis vor kurzem stets davon geredet, mindestens 50% der Gewinne abzuschöpfen. Grund genug, wieder mal ein bißchen über unsere "Regierung" zu wettern.

So werden jetzt also die ältesten AKWs um 8 Jahre und die neueren sogar bis um 14 Jahre verlängert. Das ist allerdings nur eine Zahl auf dem Papier. In Wahrheit können die AKWs viel länger laufen, denn die längeren Laufzeiten werden ihnen nicht in Jahren, sondern in Strommengen zugeteilt. Wenn jetzt also die Kernkraftwerke nur mit geringer Last laufen oder gar ganz still stehen, verlängert sich ihre Lebensdauer.

Die Frage der Süddeutschen Zeitung, ob damit die Energiewende komme, kann ich für mich so beantworten: Natürlich nicht. Die Regierung hat durch ihre Entscheidung nur nochmal ihre Haltung gegenüber der Atomkraft bewiesen. Solange wie möglich, nur auf keinen Fall ein bißchen die erneuerbaren Energien fördern. Dieser Entschluss war in höchster Weise kontraproduktiv. Michael Bauchmüller hat es in der SZ auf den Punkt gebracht:

Ausgerechnet längere Laufzeiten für Kernkraftwerke, so werben Union und FDP, sollen den erneuerbaren Energien ganz neue Perspektiven verschaffen. AKWs für den Ökostrom? Das ist ungefähr so, als wollte sie den Bau neuer Autobahnen als Durchbruch für Radfahrer feiern. Mit anderen Worten: blanker Unsinn.Michael Bauchmüller, SZ vom Dienstag, den 7. September 2010

Blanker Unsinn, der Meinung bin ich auch. Wenigstens werden die Atom-Konzerne ab jetzt mit schärferen Auflagen, was die Sicherheit ihrer Anlagen betrifft, konfrontiert werden. Die Länder sollen dazu ermächtigt werden, den jeweils aktuellsten Stand der Nachrüst-Technik einzufordern. Sehr vernünftig. Wenn sich schon Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht dazu durchringen konnte, den baulichen Schutz vor Terroranschlägen vorzuschreiben; derzeit würden die Kuppeln einiger alter Reaktoren einem Aufprall eines Passagierflugzeugs wohl kaum standhalten. Für die wenigsten Anlagen wäre das allerdings wirtschaftlich verkraftbar gewesen. Die Argumentation der Regierung: Die älteren Kraftwerke laufen ja auch kürzer, also kann man auf diese Schutzummantelung auch gleich ganz verzichten.

Die Frage, was mit dem ganzen Atommüll passiert, ist unterdessen immernoch nicht geklärt. Die 4800 Tonnen (entsprechen 450 Castoren) zusätzlicher Müll müssten vorerst auch im Salzstock Gorleben Platz finden. Dabei weiß man noch immer nicht, ob der Salzstock als atomares Endlager überhaupt geeignet ist. Die Erkundungsarbeiten sollen am 1. Oktober starten.

Das Atomgesetz, das ohnehin geändert werden muss, jetzt wo die längeren Laufzeiten durchgewunken sind, will man bei der Gelegenheit auch noch gleich mit einem Enteignungspassus bestücken. So könnten Bauern, unter deren Land sich Teile des Salzstocks befinden, schlicht und einfach enteignet werden. Das riecht doch schon nach Protest.

SPD und die Grünen haben schon großangelegte Protestaktionen angekündigt, falls die Bundesregierung an der Länderkammer vorbei agieren will. Die Hauptargumente der Parteien: Die Regierung sei käuflich, sie verkaufe die Sicherheit der Bürger an die Stromkonzerne, die Wende hin zum Ausbau erneuerbare Energien werde blockiert und das Problem der Endlagerung des Atommülls werde nicht gelöst, sondern durch noch mehr Brennstoffabfälle nur noch verschärft. Sigmar Gabriel (SPD) wetterte: “So dreist ist in Deutschland noch nie der Eindruck erweckt worden, Politik sei käuflich. Die haben Geld geboten — und die anderen haben danach Gesetze gemacht.” Grünen-Chefin Claudia Roth formulierte es noch drastischer: “Im Kanzleramt regiert nicht die Kanzlerin der Bundesregierung Deutschland, sondern die Vollzugsgehilfin der Atomkonzerne.” Die Linke warf der Regierung vor, sie pfeife auf demokratische Prinzipien.

Und das schlimmste an der Sache: Merkel bezeichnet ihre geniale Energiepolitik (Achtung: Ironie!) als “Revolution”. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion.

20. August 2010

“Ist das noch zu fassen?!?” — Die momentane Energiepolitik, Teil 2

Angesichts eines mein Herz in seiner tiefsten Tiefe tief erschütternden Artikels in der Süddeutschen Zeitung wieder mal ein bißchen Kritik an der momentanen Energiepolitik.

Haben Sie überhaupt noch das Gefühl, in irgendeiner Weise regiert zu werden? Haben Sie das Gefühl, dass in diesem schönen Land an der politischen Spitze jemand steht, der auch mal durchgreift und nicht immer kneift, wenns mal brenzlig wird? Also, wenn Sie mich fragen: Ich nicht wirklich! Das mag jetzt zwar hart klingen, stimmt aber irgendwie. Als ich gestern abend die Titelseite der Süddeutschen Zeitung las, sprang mir wieder ein Artikel in die Augen, der sich mit der momentanen Energiepolitik befasste.

In dem Artikel ging es hauptsächlich um die Steuer, die die Regierung der Atomindustrie aufdrücken wollte — als Gegenleistung für die Laufzeit-Verlängerung der Atomkraftwerke sozusagen. Darüber, dass über diese Laufzeit-Verlängerung überhaupt nachgedacht wurde/wird, hatte ich mich in einem früheren Blogeintrag hier schonmal ausgiebig aufgeregt, — verzeihung — empört.

Aber das Beste des ganzen Artikels kam so ungefähr in der Mitte: Die Atomkraft-Konzerne drohen — sollten die von der Regierung vorgesehenen Steuern ihnen zu hoch erscheinen — damit, ihre Atomkraftwerke abzuschalten. Hört hört, sie drohen damit, ihre Atomkraftwerke abzuschalten. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Ich weiß ja nicht, wie Sie da draußen zu diesem Thema stehen, aber ich weiß genau, was ich davon halte und ich kann Ihnen sagen: Mir wäre es ganz recht, wenn jetzt unverzüglich alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden würden. Dann wäre die Regierung nämlich gezwungen, erneuerbare Energien viel stärker zu fördern.

Aber wenn ich so höre, was mein Vater sagt, der heute Radio gehört hat (er hört immer Radio bei sich in der Werkstatt, bevorzugt SWR1 oder — wenn ihm die 70er- und 80er-Jahre-Musik zu viel wird — SWR2. Aber das ist hier nebensächlich.): Man kann man nur den Kopf schütteln. Angesichts dieser “Drohung” (würde es das Wort “Erlösung” nicht viel besser treffen?) der Atomkraft-Konzerne rückt unsere Frau Bundeskanzlerin anscheinend wieder von ihrem Plan ab, eine Steuer zu erheben. Es erscheint mir schon fast wie ein Wahn der Bundeskanzlerin, unbedingt an der Atomkraft festzuhalten. Unbedingt alles dran setzen, dass die Atomkraft-Konzerne immer der Regierung wohlgesonnen sind. Immer schön nach deren Pfeife tanzen. Das meinte ich auch, wenn ich am Anfang dieses Blogeintrags sagte: “Haben Sie überhaupt noch das Gefühl, in irgendeiner Weise regiert zu werden?” Für mich hat ein Politiker durchaus auch mal das Recht und manchmal sogar — gegenüber dem Volk, dem gegenüber er sich verantworten muss, vielleicht sogar gerade, wenn das Volk so einstimmig gegen eine Sache (hier: die Atomkraft) ist — die Pflicht, seine eigene Meinung — oder zumindest die des Volkes — zu vertreten und sich nicht nur von den anderen in die Schranken weisen zu lassen. Wenn Sie das wirklich jetzt ganz abblasen mit den Steuern für die Atomkraft-Konzerne und die Laufzeit-Verlängerung einfach so durchwinken, dann sieht es aber gar nicht gut aus mit Ihrer Wiederwahl als Bundeskanzlerin, Frau Merkel!

11. August 2010

Die momentane Energiepolitik oder: Der verlogene, äußerst faule Kompromiss…

Zeit für ein bißchen Kritik an der aktuellen Entwicklung in der Energiepolitik.

Was halten Sie von diesem Kompromiss, den die Regierung jetzt geschlossen hat? Nämlich einige wenige total veraltete Atomkraftwerke wie zum Beispiel Biblis zu schließen oder dafür die Laufzeit für jüngere Atomkraftwerke deutlich zu erhöhen. Die Opposition — ich im Übrigen auch — hält jedenfalls nicht viel davon. Kurt Beck (SPD) spricht von einem „faulen Kompromiss“. Es sieht fast so aus, als ob die Regierung unter Führung von Angela Merkel (CDU) mit allen Kräften versucht, nicht auf erneuerbare Energien zu setzen, sondern mit aller Kraft an ihrer „Brückentechnologie“, wie Merkel die Atomkraft nennt, festhält.1 Dabei wird – sofern man dem Chef von Europas größtem Solarforschungszentrum, Eicke Weber, glaubt – Solarstrom auch ohne Förderung bald deutlich billiger als Strom aus Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerken sein. Er ist zuversichtlich, dass Solarenergie bald überall auf der Welt Öl, Gas oder Kohle ablösen wird, weil nur die Sonne beständig ein Vielfaches der Energie liefert, die die Menschheit braucht. Die Regierung steht vor der Entscheidung: mehr Atomkraft oder mehr erneuerbare Energien.

Wie die Regierung jetzt mit diesem faulen Kompromiss reagieren kann, ist mir ein Rätsel. Ist wahrscheinlich Produkt des Druckes, den die Atomkraft-Betreiber sicher auf die Regierung ausüben. Geld regiert eben immer noch die Welt. Wie Michael Bauchmüller es in seinem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung treffend sagt:

„Längst sollte ein großes Konzept für die Energie der Zukunft auch über die AKWs entscheiden. Ein solches Konzept ist längst in den Hintergrund getreten. Stattdessen dominieren Machtkämpfe zwischen dem grün angehauchten und dem konservativen Teil der Union, zwischen den Bundesländern, zwischen der Unionsfraktion und dem Umweltminister aus den eigenen Reihen. […] Wenn Machtfragen Sachfragen überlagern, wird es in der Politik gefährlich; es wird die Vernunft verdrängt.“Michael Bauchmüller in der Süddeutschen Zeitung vom 10. August

Aber so ist der Mensch offenbar – kurz- und selbstsüchtig, immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Diesen Eindruck gewinne ich jedenfalls, wenn ich morgens die Titelseite der Süddeutschen Zeitung aufschlage.

Dabei werden Solaranlagen in einigen Jahren ein Vielfaches von dem leisten können, wozu sie heute schon fähig sind. Wenn man als Vergleich die Entwicklung des Computers heranzieht: Vor wenigen Jahrzehnten hat man sich noch über 64 Kilobyte- Festplatten gefreut. Heute ist mittlerweise eine 500 Gigabyte-Festplatte der Quasi-Standard, also ein vielfaches von dem, was noch vor wenigen Jahrzehnten dem neuesten Stand der Technik entsprach. Wenn eine ähnliche Entwicklung auf dem Solarstrom-Sektor stattfindet, dann ist es durchaus möglich, auch komplett ohne Strom aus Atomkraftwerken auszukommen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung möglichst bald zur Vernunft kommt und viel stärker die Erneuerbaren Energien fördert und voll durchgreift und alle AKWs in Deutschland sofort schließt. Zum Wohle unseres Landes.

Fußnoten

  1. Wie kann man von Atomkraft als “Brückentechnologie” sprechen, wenn doch erst nach 24000 Jahren die Hälfte von dem Zeug weg ist?!?
22. July 2010

Heidelberger Kongresszentrum — ein Plädoyer von Henriette Jung

Aus höchst aktuellem Anlass wieder mal ein Gastbeitrag von Henriette Jung, diesmal zum Thema "Heidelberger Kongresszentrum: Stadthallen-Anbau ja oder nein?".

Update vom 25.7.2010 um 20:52 Uhr: Die Stadthalle wird NICHT angebaut! Jawoll! Richtig so!

Dieses Mal widme ich mich einem regionalen Thema.

Für die Nicht-Heidelberger eine kurze Erklärung:
Unser Bürgermeister Dr. Eckart Würzner plant, an die alte Stadthalle anzubauen, um mehr Platz für Kongresse u. ä. zu erschließen.
Alternativ dazu würde sich aber auch ein Standort in der Nachbarschaft des Hauptbahnhofs anbieten.
Nun ist in Heidelberg ein erbitterter Kampf der Altstadt- und Hauptbahnhofsbefürworter um die Wählerstimmen für die Abstimmung am Sonntag, den 25. Juli entbrannt.

Die Argumente der Anbau-an-die-alte-Stadthalle-Befürworter beziehen sich vor allem auf die finanzielle Lage unserer Stadt, an der die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorbeigegangen ist.

  • Die neuen Kongressteilnehmer würden öffentliche Verkehrsmittel, Hotels und Restaurants nutzen und so sicherlich die veranschlagten Kosten von 19 Millionen Euro im Nu wieder reinholen. Diese Summe ist überhaupt nicht haltbar, weil allein der Bau des geplanten Parkhauses schon 16 Millionen verschlingen würde. Wenn beim Bau desselben das alte Gemäuer der Stadthalle beschädigt wird, dann gute Nacht!
  • Zweitens würde der Anbau an der Stadthalle Arbeitsplätze schaffen. Aber eigentlich ist es quantitativ gesehen völlig egal, ob diese Arbeitsplätze in der Altstadt oder am Bahnhof geschaffen werden.
  • Drittens sei in den letzten Jahren die Anzahl der Kongressteilnehmer um 40% gesunken, was alarmieren und zu Veränderungen aufrütteln soll. Was mir aber vollkommen schleierhaft ist: Wenn es schon so wenig Teilnehmer sind, warum muss dann das Gebäude, in dem diese sich aus dem Weg gehen, noch größer werden?
  • Viertens wäre die Lage direkt am “Verkehrsknotenpunkt” B37 - Neckarstaden sehr günstig für die Anfahrt. Aber was ist verkehrgünstiger gelegen als ein Gebäude direkt am Hauptbahnhof? Zumal man sich dann nicht mit Bus, Bahn oder Taxi durch die wegen der Sperrung der Ziegehäuser Landstraße ohnehin schon überfüllte Innenstadt quälen muss?

Warum unser Bürgermeister (der meiner Meinung nach nur auf der Suche nach seinem eigenen Denkmal ist) dann immer noch am Anbau an der Stadthalle festhält? Ich habe keine Ahnung. Mal sehen, was der Bürgerentscheid am Sonntag bringt…

4. July 2010

Atomkraft? Nein, danke! — Ein Plädoyer von Henriette Jung

Weil es mit dem Beitrag über das vergangene (und im übrigen sehr gelungene) Schülervorspiel am 22. Juni mit Hannah noch ein wenig dauert (Bilder komprimieren etc.), kommt jetzt schon mal, einfach dass hier mal wieder etwas passiert (ich hatte letzten Monat eine Besucherzählung am Laufen, deswegen hatte ich selbst meine Website wenn möglich nie besucht - wow, ca. 2300 Besucher in einem Monat - vielen Dank hierfür!!!) ein Gastbeitrag von Henriette Jung zum Thema "Atomkraft". Das Plädoyer wurde ursprünglich im SchülerVZ verfasst, die Autorin hat mir jedoch freundlicherweise die Genehmigung erteilt, das Plädoyer hier noch einmal abzudrucken. Vielen Dank!

Für die Abschaffung der Energiegewinnung durch Atomkraftwerke:

Wir haben bereits radioaktiven Müll produziert, der die Pyramiden von Gizeh überdauern wird und wir wissen immer noch nicht, wohin damit. Es wäre vollkommener Schwachsinn, noch mehr davon zu produzieren.
Kurzfristig lohnt sich die Atomenergie für die Stromkonzerne, aber langfristig hat sie den Staat im Einzelnen schon diese Kosten verursacht:

  • Bau von Forschungsreaktoren ca. 20 Mrd. €
  • Öffentlicher Finanzierungsanteil an gescheiterten Projekten („Schneller Brüter“ Kalkar, WAA Wackersdorf, THTR Hamm-Uentrop, AKW Mülheim-Kärlich) ca. 9. Mrd. €
  • Castor-Transporte 3 Mrd. €

Hinzu kommen die laufenden Sicherheitsnachbesserungen, die mit dem zunehmenden Alter eines AKWs höher werden. Um den Skeptischen das Argument vorwegzunehmen, dass die Natur als Energielieferant sehr unzuverlässig sei, verweise ich auch auf die Störanfälligkeit eines AKWs: Störfälle kommen sehr häufig vor und das darauffolgende Abschalten und Wiederhochfahren ist sehr zeitintensiv. In dieser Zeit kann logischerweise kein Strom erzeigt werden, es wird zur Wiederinbetriebnahme sogar viel Strom aufgewand1. Wir erinnern uns: Der Einschaltstrom einer Glühbirne ist zehnmal stärker als der Nennstrom.

Der Wirkungsgrad eines AKWs ist sehr gering, rund zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie gehen zwischen dem AKW und dem Verbraucher verloren. Sehr teuer ist auch der hohe Energieaufwand, der zur Stromgewinnung nötig ist. So sind z.B. zur Deckung des Strombedarfs der französischen Urananreicherungsanlage Pierrelatte rund drei der vier Blöcke des benachbarten AKW Tricastin notwendig. Hinzu kommen 41 Mrd. kWh Gas- und 21 Mio. m3 Wasserverbrauch im Jahr.

Ist es das wirklich wert, nur um auf dem Gebiet der Energiegewinnung kein unnötiges Risiko eingehen zu müssen, das am Ende den Wähler verärgern könnte?

Meine Antwort darauf

Henriette,

du weißt ja gar nicht wie recht du hast! Nur schade, dass wir hier so wenig in der Gruppe sind, da hört dich ja keiner! Aber ein prima Plädoyer gegen Atomkraft! Hätte ich nicht besser schreiben können. Hast du dich am Ende von meinem “Rettet den Thunfisch”-Artikel inspirieren lassen? Wie auch immer, unter deiner Führung in ein paar Jahren wird das alles besser! Ich werde für dich stimmen!

Erneuerbare Energien vor! Zum Beispiel vor Berlin, wo da diese alten halbvermoderten Kasernen stehen, könnte man doch prima ein riesenhaftes Solarfeld aufbauen. Oder in Afrika! Die Frage ist nur, wie man den Strom dann zu uns bekommt. Aber du wirst da sicherlich noch eine uns alle und auch die nachfolgenden Generationen zufriedenstellende Lösung finden, da bin ich mir sicher!2

Mit kollegialen Grüßen,

Hans

Fußnoten

  1. Anmerkung von mir: Die Rechtschreibung wurde unverändert dem Beitrag aus dem SchülerVZ entnommen.
  2. Anmerkung von mir: Ja, ich bin überzeugt davon, dass die Henriette eines Tages Bundeskanzlerin wird!
26. May 2009

Sprach der Scheich zum Emir …

Sprach der Scheich zum Emir: « Jetzt zahl’n mir und dann geh’n mir. »
Sprach der Emir zu dem Scheich: « Ja, da geh’n mir lieber gleich. »

Vielleicht kennen Sie diesen Witz ja auch. Das « mir » ist übrigens als Dialektform von « wir » zu verstehen, was den Zweck hat, dann besser ins Schema zu passen.

Aber was genau ist eigentlich ein Emir? Scheich ist klar: eine führende Persönlichkeit des geistlichen oder geistigen Lebens im arabischen Kulturraum (Quelle: Wikipedia). Ein Ölscheich ist ja zum Beispiel eine steinreiche Führungsperson.

Aber was genau ist jetzt ein Emir? So, wie der im Witz dargestellt wird, scheint es ja ein Geizhals à la Dagobert Duck zu sein. Aber laut Wikipedia steckt hinter einem Emir ein Befehlshaber. Daher kommen dann auch die Emirate. Interessant zu wissen …

10. December 2008

Bill Gates im McDonalds

Gestern hatten wir in GMK mal wieder einen wundervollen Text gelesen. Er handelt von der Ausschaltung des Wettbewerbs beim Markt, aber auch von Computern. Nanu, wie geht denn das? Um das zu verdeutlichen, gehe ich wieder nach dem bewährten Prinzip “Full text with comments from myself” vor. Also dann, legen wir los:

Bill Gates. Ich hätte gerne einen Bigmac.

Die ganze Klasse denkt sich wahrscheinlich nichts böses dabei. Nur einer, ein gewisser Hans Bauer, der denkt, wie so oft, sofort an die Computerwelt. « Ist doch eigentlich ein Widerspruch in sich. » denke ich mir, « Bill Gates kauft sich bei McDonalds einen Bigmac. Warum nicht einen Bigwindows? Bigmac – ein großen Mac, verstehen Sie? Dabei ist Apple – die Macher von Mac – doch der Erzfeind von Microsoft und damit von Bill Gates, oder? Warum kauft sich also Bill Gates bei McDonalds einen Bigmac? – Ja, ich weiß es nicht. » Schön. Weiter im Kontext. Nun antwortet der Kassierer:

Kassierer. Einen Bigmac, eine Cola, mach $ 6.99.

Moment. Bill Gates bestellt einen Bigmac. Nur einen Bigmac. Warum bekommt er dann eine Cola auch noch aufgedrückt? Genau das selbe scheint auch Bill Gates zu denken:

Bill Gates. Ich hatte nur einen Bigmac bestellt!

Der Kassierer antwortet gelassen:

Kassierer. Die Cola gehört dazu, ist Teil eines Gesamtpakets.

Bill Gates « macht einen auf stur » smile :

Bill Gates. Wie bitte? Die Cola zahle ich nicht!

Der Kassierer bleibt cool:

Kassierer. Brauchen sie auch nicht. Die Cola ist gratis.

Kleine Anmerkung vom Autor dieses Postings: Die Rechtschreibung (« Bigmac » und « sie » (in der Anrede)) wurde unverändert dem GMK- Schulbuch entnommen. Beschwerden gehen bitte nicht an mich! Ich hätte « sie » natürlich in der Anrede richtig geschrieben (groß). Aber der « Bigmac » kommt einmal – wenigstens einmal – in diesem Artikel richtig geschrieben vor.
Naja, wie auch immer. Weiter geht’s:

Bill Gates. Aber kostete der Bigmac alleine bisher nicht $ 3.99?

Ah oui!

Kassierer. Stimmt, aber der Bigmac hat jetzt neue Leistungsmerkmale. Er hat eine Cola im Lieferumfang.

Leistungsmerkmale, Lieferumfang – Das klingt ja, als ob der Big Mac ( smile ) sonst was wäre und nicht nur ein einfacher Burger.

Bill Gates. Ich habe eben erst eine Cola getrunken. Ich brauche jetzt keine Cola.

Er will sie nicht. Er will sie wirklich nicht.

Kassierer. Dann gibt’s auch keinen Bigmac.

Hmm … Bigmac und Cola oder keinen Bigmac? Bill Gates redet sich so heraus:

Bill Gates. Na gut, ich zahle $ 3.99 und verzichte auf die Cola.

Da wird der Kassierer zickig:

Kassierer. Man kann die Teile des Gesamtpaketes nicht trennen. Bigmac und Cola sind nahtlos integriert.

Ist natürlich quatsch – mit Sosse nämlich! Das findet auch Bill Gates:

Bill Gates. Quatsch. Big Mac und Cola sind zweierlei!

Genau meine Meinung! Haben Sie außerdem diesmal auf die Schreibweise des « Big Mac » geachtet? Genießen Sie diesen Anblick: Er kommt das einzige Mal in diesem Text vor!
Der Kassierer unterdessen greift zu äußersten Mitteln, um dem Kunden die Verbundenheit von Big Mac und Cola zu beweisen:

Kassierer. Passen Sie mal auf. (Er tunkt den Bigmac in einen Becher Cola.)

Uahhhh (dem Autor rollen sich die Zehennägel hoch!). Auch Bill Gates ist schockiert:

Bill Gates. Was soll den das?

Ja? Jetzt wollen wir eine Erklärung hören! Kommt sofort:

Kassierer. Das ist im Interesse des Kunden, denn so können wir einen einheitlichen Geschmack in allen Komponenten garantieren.

Na, also ich persönlich weiß ja nicht, ob das im Interesse des Kunden passiert.

Wie auch immer. Der Text ist aus. Ich hoffe, Sie haben ihn genossen.
Falls man nichts mehr von sich hört, wünsche ich Ihnen auf jeden Fall schon einmal FROHE WEIHNACHTEN.

9. December 2008

Die Rote Kapelle – GFS vom 8. Dezember 2008

Am 8. Dezember 2008 habe ich meine GFS über die Rote Kapelle gehalten. Kein Begriff? Noch nie davon gehört? Dieser Artikel klärt auf. Unter Verwendung von Quellen der Universitätsbibliothek Heidelberg ist der folgende Aufsatz entstanden (er liegt im HTML- Format vor, kann also direkt in dem Browser Ihrer Wahl betrachtet werden):

Zum Aufsatz “Die Rote Kapelle”

17. November 2008

wikipedia.de geschlossen

Ein äußerst interessanter Artikel, der heute in der Süddeutschen Zeitung zu finden war, vereint Politik, Computer und Humor miteinander. Wie? Das passt doch alles gar nicht zusammen? Denken Sie. Aus dem Artikel, betitelt « Biographie offline », geht hervor, dass am Wochenende anscheinend der Linken- Abgeordnete Lutz Heilmann die Seite wikipedia.de abschalten ließ. Grund: « Seine Abgeordneten- Biographie weist den 42- Jährigen als Rechtsreferendar am Lübecker Landgericht aus. » Das Lübecker Landgericht war auch das Gericht, welches über die Sperrung der Adresse wikipedia.de verfügt hat. Weiter heißt es:

Vor seiner juristischen und politischen Karriere, genauer gesagt von 1985 bis Januar 1990, arbeitete er in der Abteilung Personenschutz des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Die Tätigkeit bei der Stasi war unter anderem Gegenstand des Eintrags “Lutz Heilmann” in der Online- Enzyklopädie. Anstoß nahm der Politiker aber auch an der Behauptung, er habe in Lübeck angeblich einen Online- Sexshop betrieben.Süddeutsche Zeitung vom 17. Nov. 2008

Durch die “falschen, ehrabschneidenden und deshalb meine Persönlichkeitsrechte verletzenden Inhalt” fühlte sich Heilmann gezwungen, einen Anwalt einzuschalten und durch diesen die Adresse wikipedia.de zu schließen. Völlig idiotisch zwar, weil die Inhalte ja weiterhin auf de.wikipedia.org abrufbar sind, aber egal … Als ob wikipedia.de abzuschalten nicht schon genug wäre, hat Heilmann dann auch noch drei Strafanträge gegen Online- Autoren gestellt.

Thorsten Feldmann, Anwalt von Wikimedia, des Vereins, der die Seite betreibt, räumt ein, dass die umstrittenen Aussagen über Heilmann, sofern wahr, schädlich für dessen politische Karriere sein könnten. Trotzdem sei die Reaktion unverhältnismäßig. “Man kann nicht dafür sorgen, dass deshalb die deutsche Startseite dichtgemacht wird.”Süddeutsche Zeitung vom 17. Nov. 2008

Auch Fraktionssprecher Hendrik Thalheim, und nicht nur der, findet, Heilmann habe « mit Kanonen auf Spatzen geschossen ». Dabei scheint Heilmann selbst die Sperrung schon unangenehm zu sein. Er hat angekündigt, keine weiteren juristischen Schritte zu unternehmen. Die Weiterleitung von Wikipedia.de auf die Enzyklopädie könne ab sofort wieder geschaltet werden.

Wie ich heute feststellte, geht die Startseite schon wieder. Das gewohnte Bild mit der Suchmaske erwartet einen schon und wartet sehnsüchtig darauf, mit Inhalt gefüttert zu werden, um die Anfrage, oder auch das Request, as we say in England, zu bearbeiten und die entsprechenden Daten anzuzeigen.