24. April 2009
Schon in der Presse am 20.3.2007, ist dieser Kommentar gegen Latein (Titel: Schafft Latein ab) trotzdem so schön, dass ich ihn hier noch einmal rezitieren möchte. Kursiv und eingerückt daher die Kolumne und zwischen den einzelnen Passagen einige Bemerkungen von mir.
Los geht’s:
Ich gehe in einen Italienischkurs.
Schön. Italienisch ist eine schöne Sprache, so melodisch.
Ich verrate das ungern, weil ein Kollege von mir neulich im Scherz gemeint hat, er mutiere langsam zum Spießer, und wenn das so weitergehe, werde er noch Yoga betreiben oder einen Italienischkurs in der Volkshochschule besuchen, haha – und bei mir ist es zwar nicht Yoga, sondern Pilates, und ich besuche nicht die Volkshochschule, sondern das Italienische Kulturinstitut. Aber die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen.
Was zum Henker soll daran spießig sein, eine Sprache zu lernen? Was soll daran spießig sein? Ich weiß es nicht …
Zwei Lektionen habe ich schon hinter mir, es ist also noch zu früh, um zu sagen, ob ich im Sommer imstande sein werde, mich mit Bademeister Emilio zu unterhalten, der immer geduldig genug war, zu entschlüsseln, was mein Mann und ich mit unserem Gefuchtel meinen. Aber immerhin haben mir zwei Lektionen gereicht, um bestätigt zu finden, was ich vermutet hatte: Latein hilft gar nichts. Nada. Niente. Rien. (Ich hoffe, das stimmt jetzt).
Ist es nicht herrlich? Nach zwei Lektionen weiß sie zwar noch nicht, ob sie je sich mit einem italienischen Bademeister unterhalten wird können (warum zum Teufel erwähnt die seinen Namen? Und dass er immer geduldig genug war, zu entschlüsseln, was mein Mann und ich mit unserem Gefuchtel meinen? Das will doch kein Mensch wissen …), sie weiß jedoch schon, dass ihre Lateinkenntnisse ihr nicht dabei helfen werden. Aber dass Niente von lateinisch nihil abgeleitet wird, ist doch nicht so schwer zu erkennen, oder?
Nun ist es ja nicht so, dass mir Italienisch schwer fällt, im Gegenteil: fare erinnert mich ans französische faire, cancellare ans englische to cancel, dormire ist gleich dormir… Und so bastle ich mir mein Italienisch zusammen – nur an Latein habe ich noch kein einziges Mal gedacht, obwohl ich sechs Jahre Latein hatte und nur vier Französisch.
Aber dass sowohl fare als auch faire vom lateinischen facere kommen, daran haben Sie noch nie gedacht? Oder – noch besser – dormire: Da ist jeder Buchstabe gleich!
Jetzt will ich nicht behaupten, dass das Italienische mit dem Lateinischen gar keine Ähnlichkeit aufweist. Vielleicht tut es das ja. Wahrscheinlich sogar.
Was heißt wahrscheinlich sogar? Natürlich ist Lateinisch dem Italienischen ähnlich. Ist ja schließlich seine Muttersprache. Und diese Ähnlichkeit kann manchmal sogar komplette Gleichheit ablösen (Beispiel: dormire — dormire).
Der Punkt ist: Ich weiß es nicht, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was daher rührt, dass diese Sprache mausetot ist. Ja, ich bin versucht zu sagen: toter, totest. Toter als damals, als diese Sprache auch schon tot war, aber noch der eine oder andere lateinische Satz in der Kirche zu hören war. Und weil sich mein Gehirn nicht merkt, was es 20 Jahre nicht gebraucht hat – Voilà. Ecco. Nix mehr da.
Hier muss ich kurz den Kommentar von Martin Schmid zitieren: “Der Punkt ist: Sie können gar nicht (mehr) Latein, was eventuell mit Ihrem Merkvermögen zusammenhängt, mehr wohl aber noch mit der Tatsache, dass Ihnen Latein als tote Sprache beigebracht wurde.” Richtig so!
Aber die Fremdwörter? Da hab ich die lateinischen auch nicht leichter erlernt als die aus dem Griechischen stammenden. Medizin? Soll man jahrelang Latein büffeln, um sich ein paar Knöchelchen besser zu merken? Die Grammatik? Ach, das Italienische hat doch auch eine Grammatik! Ich wünschte, ich hätte Italienisch gelernt statt Latein. Dann wäre ich jetzt vielleicht nicht so ein Spießer.
Latein ist nicht nur dazu da, sich ein paar Fremdwörter aus anderen Sprachen besser zu merken. Außerdem können Sie, der Sie anscheins über keinerlei Lateinkenntnis verfügen, sich ein Urteil darüber – meiner Meinung nach – nicht erlauben.
Außerdem — um nochmal auf den Titel dieser Story zurück zu kommen — wie wollen Sie eine komplette Sprache abschaffen? Wollen Sie alle Leute, die heutzutage noch Latein lehren, lernen, sprechen und schreiben — und das sind mehr als Sie denken! Garantiert! — wollen Sie etwa alle diese Leute ausrotten? Dafür, dass Sie kein Latein mehr können, können die armen unschuldigen Lateinlehrer, -schüler und -professoren doch nichts, oder?
16. April 2009
Sollte man studieren? Ja? Oder lieber doch nicht? Diese Frage kam in mir auf, als ich anfing, “Lukians Traum” von Lukian von Samosata zu lesen, einem syrischen Satiriker aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Das jedenfalls meint Lukian persönlich dazu:
Ich hatte vor kurzem aufgehört, die öffentlichen Schulen zu besuchen, und das Alter, wo der Knabe sich in den Jüngling verliert, beinahe erreicht, als mein Vater mit seinen Freunden zu Rate ging, was für eine Profession er mich lernen lassen sollte. Die meisten erklärten sich sogleich gegen das Studieren; es erforderte, meinten sie, große Mühe, lange Zeit und nicht geringen Aufwand; es gehörten schon ziemlich glänzende Glücksumstände dazu; die unserigen wären gering und bedürften vielmehr einer schleunigen Nachhülfe. Wenn ich ein Handwerk erlernte, so würde ich mich gar bald durch meine Kunst selbst ernähren können und nicht nötig haben, so ein großer Bursche als ich schon sei, des Vaters Brot zu essen; ja es würde nicht lange währen, so würde ich meinem Vater selbst zum Troste sein und ihn durch meinen Erwerb unterstützen können.
[Lukian: Lukians Traum. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 6304
(vgl. Lukian-W Bd. 1, S. 1) (c) Aufbau-Verlag
]http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm]
Hmm, also ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber irgendwie gefällt mir dieser Schreibstil …
7. February 2009
“Lorem ipsum” – den Text kennt wohl jeder, der sich mit Layout beschäftigt. Aber woher kommt dieser Blindtext eigentlich? Das wissen die wenigsten. Tatsächlich ist dieser Blindtext eine entstellte Fassung eines lateinischen Textes. Hierbei handelt es sich um zwei Abschnitte aus Cicero (was sonst?) « De finibus bonorum et malorum »: I 10.32-10.33.
Im Folgenden werden die lateinischen Texte wiedergegeben; Lorem-ipsum-Text wird dabei fett hervorgehoben:
[32] Sed ut perspiciatis, unde omnis iste natus error sit voluptatem accusantium doloremque laudantium, totam rem aperiam eaque ipsa, quae ab illo inventore veritatis et quasi architecto beatae vitae dicta sunt, explicabo. Nemo enim ipsam voluptatem, quia voluptas sit, aspernatur aut odit aut fugit, sed quia consequuntur magni dolores eos, qui ratione voluptatem sequi nesciunt, neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit, sed quia non numquam eius modi tempora incidunt, ut labore et dolore magnam aliquam quaerat voluptatem. Ut enim ad minima veniam, quis nostrum exercitationem ullam corporis suscipit laboriosam, nisi ut aliquid ex ea commodi consequatur? Quis autem vel eum iure reprehenderit, qui in ea voluptate velit esse, quam nihil molestiae consequatur, vel illum, qui dolorem eum fugiat, quo voluptas nulla pariatur? [33] At vero eos et accusamus et iusto odio dignissimos ducimus, qui blanditiis praesentium voluptatum deleniti atque corrupti, quos dolores et quas molestias excepturi sint, obcaecati cupiditate non provident, similique sunt in culpa, qui officia deserunt mollitia animi, id est laborum et dolorum fuga. Et harum quidem rerum facilis est et expedita distinctio. Nam libero tempore, cum soluta nobis est eligendi optio, cumque nihil impedit, quo minus id, quod maxime placeat, facere possimus, omnis voluptas assumenda est, omnis dolor repellendus. Temporibus autem quibusdam et aut officiis debitis aut rerum necessitatibus saepe eveniet, ut et voluptates repudiandae sint et molestiae non recusandae. Itaque earum rerum hic tenetur a sapiente delectus, ut aut reiciendis voluptatibus maiores alias consequatur aut perferendis doloribus asperiores repellat.Cicero, De finibus bonorum et malorum I 10.32-10.33
Und was heißt dieser Text jetzt? zeno.org verrät es uns:
(§ 32.) Damit Ihr indess erkennt, woher dieser ganze Irrthum gekommen ist, und weshalb man die Lust anklagt und den Schmerz lobet, so will ich Euch Alles eröffnen und auseinander setzen, was jener Begründer der Wahrheit und gleichsam Baumeister des glücklichen Lebens selbst darüber gesagt hat. Niemand, sagt er, verschmähe, oder hasse, oder fliehe die Lust als solche, sondern weil grosse Schmerzen ihr folgen, wenn man nicht mit Vernunft ihr nachzugehen verstehe. Ebenso werde der Schmerz als solcher von Niemand geliebt, gesucht und verlangt, sondern weil mitunter solche Zeiten eintreten, dass man mittelst Arbeiten und Schmerzen eine grosse Lust sich zu verschaften suchen müsse. Um hier gleich bei dem Einfachsten stehen zu bleiben, so würde Niemand von uns anstrengende körperliche Uebungen vornehmen, wenn er nicht einen Vortheil davon erwartete. Wer dürfte aber wohl Den tadeln, der nach einer Lust verlangt, welcher keine Unannehmlichkeit folgt, oder der einem Schmerze ausweicht, aus dem keine Lust hervorgeht? (§ 33.) Dagegen tadelt und hasst man mit Recht Den, welcher sich durch die Lockungen einer gegenwärtigen Lust erweichen und verführen lässt, ohne in seiner blinden Begierde zu sehen, welche Schmerzen und Unannehmlichkeiten seiner deshalb warten. Gleiche Schuld treffe Die, welche aus geistiger Schwäche, d.h. um der Arbeit und dem Schmerze zu entgehen, ihre Pflichten verabsäumen. Man kann hier leicht und schnell den richtigen Unterschied treffen; zu einer ruhigen Zeit, wo die Wahl der Entscheidung völlig frei ist und nichts hindert, das zu thun, was den Meisten gefällt, hat man jede Lust zu erfassen und jeden Schmerz abzuhalten; aber zu Zeiten trifft es sich in Folge von schuldigen Pflichten oder von sachlicher Noth, dass man die Lust zurückweisen und Beschwerden nicht von sich weisen darf. Deshalb trifft der Weise dann eine Auswahl, damit er durch Zurückweisung einer Lust dafür eine grössere erlange oder durch Uebernahme gewisser Schmerzen sich grössere erspare.Cicero, De finibus bonorum et malorum I 10.32-10.33 (bei zeno.org)
Ist doch interessant zu wissen, woher eigentlich dieser Blindtext kommt. Man kopiert ihn tagtäglich, weiß aber nie, woher er eigentlich kommt. Jetzt wisst ihrs.
9. December 2008
Am 8. Dezember 2008 habe ich meine GFS über die Rote Kapelle gehalten. Kein Begriff? Noch nie davon gehört? Dieser Artikel klärt auf. Unter Verwendung von Quellen der Universitätsbibliothek Heidelberg ist der folgende Aufsatz entstanden (er liegt im HTML- Format vor, kann also direkt in dem Browser Ihrer Wahl betrachtet werden):
Zum Aufsatz “Die Rote Kapelle”
7. June 2008
Update: Am 13. Juni stellte ich Version 2.0 ein.
Update: In der aktuellen Version 1.1 wurden, auch wenn kein neuer Inhalt hinzugefügt wurde, kleinere Rechtschreibfehler berichtigt. Des weiteren kann ich von heute berichten, dass es mir soeben (12:00) gelungen ist, ein Buch bei meinem Nachbarn Jens aufzutreiben, in dem ein paar Seiten zu der Schrift und der Sprache der Etrusker drinstehen. Diese werde ich mir demnächst durchlesen und dann an dem Aufsatz weiterschreiben. Sobald Version 2.0 mit neuem Inhalt im Netz steht, werde ich euch informieren.
Am 4. Juni hielt Eva A. Langbein, eine meiner Klassenkameradinnen, ihre GFS in Latein über das Thema “Die Etrusker”.
Aus ihrem Vortrag habe ich viel gelernt (ich selbst habe mich bisher nicht so viel – um nicht zu sagen gar nicht – mit den Etruskern beschäftigt) und dieser Vortrag war es auch, der mich dazu angeregt hat, diesen Aufsatz zu schreiben.
Er befindet sich momentan noch in einer Entstehungsphase (Arbeitsentwurf). Heute abend werde ich mich bei meinem Nachbarn Jens erkundigen, ob er ein Buch zu den Etruskern hat (ich habe nämlich keines) und dann werde ich diesen kleinen Aufsatz heute abend etwas weiter schreiben. Sobald es Neuigkeiten gibt, melde ich mich mit einem kleinen fettgedruckten Update am Ende dieses Blogeintrages wieder.
Nun zu dem Inhalt dieses Aufsatzes: Kurz gesagt – ich will ja nicht zu viel verraten – geht es in diesem Aufsatz um die etruskische Sprache und die doch sehr seltsame Tatsache, dass man zwar die Buchstaben des etruskischen Alphabets hat, sie allerdings mangels überlieferter Grammatik nicht zu übersetzen vermag.
Am besten lesen Sie selbst.