11. August 2010

Die momentane Energiepolitik oder: Der verlogene, äußerst faule Kompromiss…

Zeit für ein bißchen Kritik an der aktuellen Entwicklung in der Energiepolitik.

Was halten Sie von diesem Kompromiss, den die Regierung jetzt geschlossen hat? Nämlich einige wenige total veraltete Atomkraftwerke wie zum Beispiel Biblis zu schließen oder dafür die Laufzeit für jüngere Atomkraftwerke deutlich zu erhöhen. Die Opposition — ich im Übrigen auch — hält jedenfalls nicht viel davon. Kurt Beck (SPD) spricht von einem „faulen Kompromiss“. Es sieht fast so aus, als ob die Regierung unter Führung von Angela Merkel (CDU) mit allen Kräften versucht, nicht auf erneuerbare Energien zu setzen, sondern mit aller Kraft an ihrer „Brückentechnologie“, wie Merkel die Atomkraft nennt, festhält.1 Dabei wird – sofern man dem Chef von Europas größtem Solarforschungszentrum, Eicke Weber, glaubt – Solarstrom auch ohne Förderung bald deutlich billiger als Strom aus Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerken sein. Er ist zuversichtlich, dass Solarenergie bald überall auf der Welt Öl, Gas oder Kohle ablösen wird, weil nur die Sonne beständig ein Vielfaches der Energie liefert, die die Menschheit braucht. Die Regierung steht vor der Entscheidung: mehr Atomkraft oder mehr erneuerbare Energien.

Wie die Regierung jetzt mit diesem faulen Kompromiss reagieren kann, ist mir ein Rätsel. Ist wahrscheinlich Produkt des Druckes, den die Atomkraft-Betreiber sicher auf die Regierung ausüben. Geld regiert eben immer noch die Welt. Wie Michael Bauchmüller es in seinem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung treffend sagt:

„Längst sollte ein großes Konzept für die Energie der Zukunft auch über die AKWs entscheiden. Ein solches Konzept ist längst in den Hintergrund getreten. Stattdessen dominieren Machtkämpfe zwischen dem grün angehauchten und dem konservativen Teil der Union, zwischen den Bundesländern, zwischen der Unionsfraktion und dem Umweltminister aus den eigenen Reihen. […] Wenn Machtfragen Sachfragen überlagern, wird es in der Politik gefährlich; es wird die Vernunft verdrängt.“Michael Bauchmüller in der Süddeutschen Zeitung vom 10. August

Aber so ist der Mensch offenbar – kurz- und selbstsüchtig, immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Diesen Eindruck gewinne ich jedenfalls, wenn ich morgens die Titelseite der Süddeutschen Zeitung aufschlage.

Dabei werden Solaranlagen in einigen Jahren ein Vielfaches von dem leisten können, wozu sie heute schon fähig sind. Wenn man als Vergleich die Entwicklung des Computers heranzieht: Vor wenigen Jahrzehnten hat man sich noch über 64 Kilobyte- Festplatten gefreut. Heute ist mittlerweise eine 500 Gigabyte-Festplatte der Quasi-Standard, also ein vielfaches von dem, was noch vor wenigen Jahrzehnten dem neuesten Stand der Technik entsprach. Wenn eine ähnliche Entwicklung auf dem Solarstrom-Sektor stattfindet, dann ist es durchaus möglich, auch komplett ohne Strom aus Atomkraftwerken auszukommen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung möglichst bald zur Vernunft kommt und viel stärker die Erneuerbaren Energien fördert und voll durchgreift und alle AKWs in Deutschland sofort schließt. Zum Wohle unseres Landes.

Fußnoten

  1. Wie kann man von Atomkraft als “Brückentechnologie” sprechen, wenn doch erst nach 24000 Jahren die Hälfte von dem Zeug weg ist?!?

Kommentare

  1. — Wer wohl... am 11. August 2010 um 21:45 Uhr (#)

    Eine grandioser Artikel, wie immer gut recherchiert. Was ich gerne weiter diskutieren möchte ist der Begriff der „Brückentechnologie“. Eine Brücke wird immer gebaut um ein anderes Ufer zu erreichen. Doch daran hat anscheinend niemand Interesse. Lieber verharrt man auf der Brücke über dem Abgrund aus Angst vor dem was am anderen Ufer wartet. Solange, bis sich zuviel auf der Brücke angestaut hat und sie einstürzt…

  2. — Ma aus Ba am 12. August 2010 um 22:56 Uhr (#)

    Hmm, wer wohl, wer wohl ...
    War das von Henni?
    Gruß von
    Ma aus Ba

  3. — Hans Bauer am 13. August 2010 um 12:30 Uhr (#)

    Natürlich war der Kommentar von der Henriette. Wer denn sonst?
    Nochmal zu der Brückentechnologie: Ohne Atomkraft hätten wir jetzt auch nicht eine solche Angst vor dem Feuer in Russland, was sich auf das Atommüll-Endlager zubewegt.
    Viele Grüße,
    Hans

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